Wie funktioniert ein Müllheizkraftwerk?

Im MHKW Rothensee werden Haus- und Gewerbeabfälle sowie Klärschlamm angeliefert. In einem geschlossenen System erfolgt die Mischung, damit die Verbrennung gleichmäßig und effizient abläuft. Bei Temperaturen von 850 bis 1.000 °C werden die Abfälle verbrannt. Dadurch entsteht heißer Dampf, der die Grundlage für die Energieerzeugung im MHKW bildet. Leistungsstarke Turbinen werden angetrieben und Strom wird ins öffentliche Netz eingespeist. Fernwärme versorgt große Teile von Magdeburg zuverlässig mit Energie.

Das MHKW Rothensee verfügt über eine mehrstufige Rauchgasreinigung. Hier werden Staubpartikel, Schwermetalle, saure Gase gefiltert. Die Emissionen liegen deutlich unter den gesetzlichen Grenzwerten. Die nach der Verbrennung verbleibende Rest, die Schlacke, wird im MHKW aufbereitet. Metalle gehen ins Recycling und mineralische Bestandteile werden zum Beispiel im Straßenbau wiederverwendet.

Lernen Sie das MHKW Rothensee kennen

Das Müllheizkraftwerk (MHKW) Rothensee in Magdeburg zeigt eindrucksvoll, wie moderne Abfallentsorgung und Energiegewinnung Hand in Hand gehen. Hier entsteht aus Abfall Wärme und Strom. Wer sich fragt: „Wie funktioniert ein Müllheizkraftwerk?“, findet im MHKW Rothensee die Antwort. Die Anlage verbindet sichere Abfallentsorgung mit moderner Energieerzeugung und trägt aktiv zum Klimaschutz bei.

Direkt unterhalb dieses Textes finden Sie eine interaktive Animation, in der Sie Schritt für Schritt entdecken können, wie das MHKW Rothensee funktioniert – von der Anlieferung des Abfalls bis zur Energiegewinnung.

  • Haus- und Gewerbeabfälle durchlaufen die Prozessschritte 1–8.
  • Klärschlamm folgt den Schritten a–e und wird ab Punkt 5 in die Rauchgasreinigung überführt.

Klärschlamm-Anlieferung: Gut abgedichtet

Das MHKW Rothensee verbrennt neben Abfall auch Klärschlamm. Der Klärschlamm wird mit einer Trockensubstanz von etwa 24 % angeliefert, halbfest und nicht flüssig. Die Anlieferung des Klär­schlamms erfolgt über einen sepa­raten Klärschlamm-Abkipp­bunker. Er ist mit einer Klappe verschlossen, um Geruchs­emissionen zu ver­meiden. Der Klärschlamm fällt durch ein Abwurfgitter und wird dabei zerkleinert.  

Abfall-Anlieferung: Abfallbunker

Hier wird der Abfall angeliefert. Mehr als 120 Müllfahrzeuge entleeren täglich ihre Ladung im Abfallbunker. Die Waage an der Zufahrt zum MHKW registriert beim Ein- und Ausfahren die genauen Müllmengen der Fahrzeuge.  

Im Bunker wird der Müll von den Kranfahrern aus dem Abkippbunker in den Stapelbunker befördert, dort sortiert und für die Verbrennung optimiert geschichtet. Zur Sicherheit sind drei leistungsstarke Lösch­anlagen im Abfall­bunker installiert.

Kran und Leitwarte: Steuerzentrale des MHKW

Die Krankanzel ist in die Leitwarte integriert, von wo aus sowohl die Krane als auch die Anlagenprozesse gesteuert werden. Die Krane sind verantwortlich für die Durch­mischung des ankommenden Abfalls und beschicken die Trichter.

In der Leitwarte werden die Abläufe aller Anlagen rund um die Uhr überwacht und von einem Schicht­team aus 11 Mitarbeitern geregelt. Ein modernes Prozess­leit­system übernimmt die weitgehend auto­matische Steuerung.

Schlackebunker: 
Was am Ende übrig bleibt

Etwa 30 % der Masse des ver­brann­ten Mülls bleibt als Roh­schlacke zurück und wird im Schlacke­bunker gelagert. Die Rohschlacke steckt jedoch voller wertvoller Stoffe wie Aluminium, Kupfer, Stahl und Edelstahl. Sogar Münzgeld lässt sich daraus zurückgewinnen. Ein lokal ansässiges Unternehmen holt die Schlacke deshalb ab und recycelt die enthaltenen Wertstoffe. Was am Ende übrig bleibt, wird als Zu­schlag­stoff im Straßenbau verwendet.

Festsstoffpumpen –Saxlundpumpen: Förder­system für Klärschlamm

Zwei hydraulisch angetriebene Pumpen transportieren den Klär­schlamm vom Abkippbunker zum Silo und weiter zum Trockner. Dabei kommen Duplex-Kolbenpumpen mit jeweils zwei Förderzylindern zum Einsatz. Zur Verringerung des Verschleißes sind die Pumpen mit einer Wasservorlage ausgestattet. Zusätzlich wird Wasser als Gleit­mittel verwendet, um Verstopfungen und Druckverluste zu vermeiden. Ein Grobgutabscheider entfernt größere Fremdkörper aus dem Schlamm vor dem Pumpvorgang.  

Wirbelschichtofen: Mono­klärschlamm­verbrennung

Die Monoklärschlamm­verbrennung verbrennt ausschließlich Klär­schlamm ohne Fremdstoffe in einem Wirbelschichtofen. Quarzsand sorgt für eine stabile Verbrennung und die Verbrennungsluft wird über eine Windbox von unten eingeleitet. Die Anlage verarbeitet bis zu 55.000 t Klärschlamm pro Jahr. Die verblei­bende Asche enthält konzentrierten Phosphor und dient der Rück­gewinnung. Die bei der Verbrennung entstehenden Schadstoffe werden dann der Rauchgasreinigungsanlage zugeführt. 

Kessel: Müll wird zu Energie

Im Kessel wird der sortierte Müll aus dem Abfallbunker bei Temperaturen vom mehr als 900 °C verbrannt. Der Kessel ist innen mit Rohren ausgestattet, die mit Wasser gefüllt sind. Die Verbrennungswärme erhitzt das Wasser und der entstehende Dampf wird an die Turbinen zur Stromerzeugung, ins Fernwärmenetz für die Haushalte unserer Stadt oder an Unternehmen weitergeleitet, die Dampf für ihre Prozesse benötigen.  

Klärschlammaschen: 
Aus Asche wird Rohstoff

Beim Verbrennen des Klärschlamms entstehen Aschen, die einen hohen Phosphorgehalt aufweisen. Die Asche wird im Elektrofilter aus dem Rauchgas entfernt und in ein eigenes Silo zwischengelagert. Solange bis sie dem Phosphor-Recycling zu­geführt werden. Rückgewonnener Phosphor verringert Import­abhängig­keit und ist essenziell für Dünger, Futtermittel und Medi­kamente.

Klärschlammlagersilo: 
Brennstoffvorrat

Über Rohrleitungen gelangt der Klärschlamm in ein Silo mit einem Fassungsvermögen von 500 m³. Die Befüllung erfolgt über drei Einlässe auf verschiedenen Höhen, was eine bessere Durchmischung und Homogenisierung des Klärschlamms gewährleisteten. Da das Silo im Freien steht, ist es zusätzlich mit einer Begleitheizung ausgestattet, um die Qualität des Klärschlamms auch bei niedrigen Temperaturen zu sichern.  

Rauchgasreinigungsanlage: 
Aus Abgas wird Reingas

Die bei der Müll- und Klärschlamm­verbrennung entstandenen Schad­stoffe werden aufwändig und sicher herausgefiltert. Saure Gase werden mit Kalkmilch abgeschieden, Schwermetalle mit Aktivkohlefiltern aufgefangen und Gewebefilter sammeln auch feinsten Staub – aus Abgas wird so Reingas. Diese Emissionswerte werden 24/7 überwacht. Das MHKW ist stolz darauf, die gesetzlichen Vorgaben weit zu unterbieten.

Schornstein/Reingas: 
Weißer Rauch

Nach aufwendigen Filterprozessen entweicht am Ende der Wert­schöpfungskette das Reingas aus den 60 und 70 m hohen Schorn­steinen. Der Begriff Reingas bringt es auf den Punkt, denn die Schad­stoff­konzentration wird nicht nur in der Leitwarte des MHKW rund um die Uhr überwacht, sondern auch via Standleitung online durch die zuständige Behörde.

Fernwärme und Wärme­speicher: Bessere Wege für mehr Fahrzeuge

Magdeburgs Fernwärmenetz ver­sorgt über 50.000 Haushalte und Gewerbe zuverlässig mit Heißwasser. Die Wärme stammt aus dem MHKW und wird über gut isolierte, unter­irdische Leitungen des Netzes der Städtischen Werke Magdeburg (SWM) zu den Abnehmern trans­por­tiert. Danach fließt das abgekühlte Wasser zurück zum MHKW und wird erneut erhitzt.  

Zur Abdeckung von Spitzenlasten stehen neun Wärmespeicher und zwei Heißwassererzeuger bereit. Dadurch werden große Mengen Erdöl eingespart. 

Strom aus Abfall: 
Spannung regeln

Die bei der Verbrennung entstehende Energie wird per Kraft-Wärme-Kopplung zur Erzeugung von grünem Strom genutzt. Turbinen treiben Generatoren an, deren Strom über Transformatoren spannungsgerecht geregelt wird – gesenkt für den Eigenbedarf, erhöht für die Ein­speisung ins Netz der SWM. Das MHKW versorgt fast 50.000 Haus­halte und damit fast das gesamte SWM-Stromnetz.

Grüner Strom deshalb, weil der überwiegende Teil des verwerteten Abfalls aus biogenem Material besteht. Dadurch werden große Mengen fossiler Brennstoffe ein­gespart.